Die Eroberung Bayreuths

Von den Wagner-Enthusiasten im Freundeskreis – Alexander Ritter, Hans von Bülow – empfohlen, erhält Strauss 1889, noch vor Antritt seiner Weimarer Tätigkeit, eine Stelle als Musikalischer Assistent in Bayreuth. Strauss korrepetiert „Parsifal“, beteiligt sich am Gesellschaftsleben und lernt die Bayreuther Atmosphäre zu schätzen: „Ich möchte dem Kurorchester gern einen Hektoliter Bier schicken, was kostet das? Und möchtest Du, lieber Papa, es nicht besorgen? Onkel Georg könnte eigentlich ein Fäßchen spendieren oder es zur Hälfte des Preises ablassen.“

Bereits kurz darauf dirigiert Strauss seine erste Wagner-Oper, sein Versprechen Wagner-Witwe Cosima gegenüber, als Weimars Zweiter Kapellmeister für Wagner und Liszt einzutreten, führt zu einem regen gegenseitigen Austausch: „Es ist schön von Ihnen, es so ernst zu nehmen und gerade zu dieser Zeit, wo die großen Theater die Schmach unserer Kunst bezeichnen, ist es rührend und erfreulich zu gewahren, wie an kleineren Bühnen der Geist, der uns Deutsche groß gemacht hat, heilig gehalten wird.“ So Cosima. Eine Bekanntschaft, die sich rasch zur regen Freundschaft vertieft: Weihnachten 1890 ist Strauss bei der Familie Wagner geladen, scherzhaft verkündet Cosima, dass sie ihre Tochter Eva als Ehefrau für Strauss vorgesehen habe. Einen Sohn und Schweigersohn im Dienste Bayreuths zu haben, wäre ihr wohl gelegen gewesen, doch Strauss hatte sich bereits in die – auch in Bayreuth geschätzte - Sängerin, Pauline de Ahna verliebt. Cosima nimmt es gelassen, Eva wie auch die älteste Tochter aus der Ehe mit Bülow, Daniela von Bülow-Thode, werden zu langjährigen Freundinnen fürs Leben, Siegfried Wagner profitiert vom älteren Komponisten-Kollegen. „Wie keiner in unserer Kunst fest und sicher“ nennt Cosima ihr „Sträusschen“, den „lieben Ausdruck“ wie Richard auch liebevoll genannt wurde. Selbst mit Vater Franz erfolgt die Aussöhnung. 1891 trifft man beide Arm in Arm spazierend an.

Unzählige Briefe werden getaucht, als Richard 1894 endlich die Dirigate der Bayreuther „Tannhäuser“-Aufführungen übertragen werden, geht ein langer Wunsch in Erfüllung. Pauline de Ahna, die Anfang September Strauss‘ Frau wird, singt wieder die Elisabeth. Als Strauss freilich seine Dirigier- und  Besetzungswünsche in Bayreuth wieder ignoriert sah, wechselt der Tonfall seiner mit Cosima ausgetauschten Briefe. Nicht zuletzt das Unverständnis der Familie Wagner seine „Salome“ betreffend (Zitate über das „Judenmädchen“ Salome zeigen klar den antisemitischen Geist), führt zum deutlichen Bruch mit Cosima Wagner. Eine Rückkehr folgt erst spät, nach 39 Jahren Pause.